Endlich haben es Brainstorm geschafft. Die Jungs aus dem Schwabenland
bestreiten zur Zeit mit dem neuem Album "Liquid Monster" im Gepäck
ihre erste Headliner Tour. Ihr vierter Stop auf dieser Reise war am
23.04.2005 das Andernacher JuZ. Schon um kurz vor acht an diesem Abend
hatte sich eine ansehnliche Schar Headbanger eingefunden, um sich auch
die beiden Supportbands At Vance und Mercenary nicht entgehen zu
lassen.
Die Dänen Mercenary übernahmen hierbei die Rolle des Anheizers. Dass
die Band mit ihrem viel gelobten letzten Output "11 Dreams" einen
großen Schritt in Sachen Bekanntheit und Fankreis getan hat, machte
sich auch in Andernach bemerkbar. Denn schon zu Beginn des Gigs sorgte
der Teil des Publikums, der mit dem Material vertraut war, ordentlich
für Stimmung. Die zu Beginn noch etwas verhalten wirkende Band kam
dementsprechend schnell in Fahrt und steigerte sich im Laufe des Gigs
immer mehr. Leider war der Sound nicht optimal, und so kamen ein ums
andere Mal Feinheiten der Gitarrenfraktion und auch der klare Gesang
von Fronter Mikkel Sandager nicht richtig zur Geltung. Trotzdem machte
die moderne Metalmixtur aus aggressiven Doublebass-Attacken und
melodischen Parts mächtig Laune. Neben dem auf der Bühne
federführenden Mikkel war besonders der Basser, der auch für die
Growls zuständig war, ein Blickfang. Auch wenn sein Longsleeve etwas
knapp bemessen war, machte er doch wie alle Bandmitglieder musikalisch
eine gute Figur und man sorgte gemeinsam für ein amtliches
Energielevel auf der Bühne. Nach knapp 40 Minuten, in denen fast
ausschließlich Material des letzten Albums zum Zug kam, verließ die
Band unter dem Applaus der während des Gigs immer zahlreicher
werdenden Zuschauer die Bühne. Cool!
Setlist Mercenary:
Re Destruct Dead
Firesoul
Seize The Night
Sharpen The Edges
World Hate Center
11 Dreams
Nach kurzer Umbaupause enterten At Vance die Bühne. Mit dem aktuellen
"Tell me" stieg die Band im Vergleich zu Mercenary zwar seichter, für
ihre Verhältnisse aber recht heftig in den Set ein. Ein Manko, das
gleich ins Ohr fiel und sich leider durch den gesamten Gig ziehen
sollte, war das fehlende Volumen im Sound der Band. Im Vergleich zur
fett tönenden letzten Scheibe klang alles irgendwie recht dünn und
nahm dem Ganzen viel Energie. Erschwerend kam hinzu, dass auch die
Band auf der Bühne nicht wirklich mitreissend auftrat. Während auf dem
Tonträger die Songs von At Vance vor allem durch die tolle Stimme des
Sängers und dem Gitarrenspiel von Olaf Lenk lebt, musste der gute
Mann am Mikro auf der Bühne quasi als Alleinunterhalter agieren. Er
poste, bangte und sang wirklich klasse, hatte es aber schwer, denn
seine Mitstreiter waren teilweise zu zurückhaltend. Natürlich ist
nicht jeder der geborene Bühnenmensch und Showmaster, aber ein wenig
Enthusiasmus kann man schon zeigen. Besonders Bandgründer Olaf
versprühte mitunter die Energie eines alten Teebeutels. Schade, denn
At Vance haben eine Menge guter Songs, von denen sie am heutigen Abend
vorwiegend die neueren Datums spielten. Aber auch einige ältere
Ohrwürmer fanden den Weg in die Setlist wie z.B. das abschließende
"Only Human". Auch wenn die Fans sicher ihren Spaß hatten, für mich
eher enttäuschend.
Setlist At Vance:
Tell Me
The Evil In You
Fallen Angel
Heart Of Steel
Rise From The Fall
Chained
No Speak
Broken Vow
Right Or Wrong
Now Or Never
The Curtain Will Fall
Take Me Away
Only Human
Eine Lehrstunde in Sachen musikalischer Power und schweißtreibender
Show war der nun folgende Auftritt von Brainstorm. Jeder der die Band
schon einmal live erleben durfte weiß, dass der Trupp die beachtliche
Energie seiner Platten auf der Bühne locker umsetzten kann. Und dass
sie mit dem sympathischen Energiebündel Andy B. Frank einen absoluten
Trumpf in ihren Reihen haben, ist auch klar. Aber so wie an diesem
Abend habe ich die Jungs noch nicht erlebt. Bis in die Haarspitzen
motiviert, locker und bei bester Laune, merkte man sofort wie sehr
sich Brainstorm über ihre erste Headlinertour freuten.
Genauso groß
war aber auch die Freude auf Seiten der Fans, denn von der ersten
Minute an feierten sie die Band richtig ab. Von solch einer Reaktion
wirklich überrascht legten Brainstorm noch eine Schippe drauf und
machten so die nächsten gut 100 Minuten zu einem Triumphzug. Die Band
spielte klasse zusammen, bangte was das Zeug hielt und war für jeden
Spaß zu haben. Fronter Andy leitete gewohnt locker und witzig durchs
Programm, stellte seine Ausnahmestimme einmal mehr unter Beweis,
feuerte das Publikum immer wieder an und war bald selbst von Kopf bis
Fuß schweißgebadet. Da außerdem der Sound nun endlich richtig gut war,
konnte man sich der Wucht der Songs einfach nicht entziehen. Egal ob
alt ob neu, egal ob Speedgranate oder Midtempowalze, alles wurde
begeisternd dargeboten und begeistert aufgenommen! Was soll man da
noch weiter sagen. Schade für alle die nicht dabei waren, denn
Brainstorm haben mit einem dicken Ausrufezeichen bewiesen, dass diese
Headlinertour längst überfällig war. Hammer!