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19. Mai 2013 - Uhr
 
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628 Reviews in der Datenbank
Billing: CALIBAN, HEAVEN SHALL BURN, NEAERA, FIRE IN THE ATTIC, AS WE FIGHT, DEADLOCK, MISERY SPEAKS - "SANTA CLAWS TOUR"
Ort: Losheim, Eisenbahnhalle
Datum: 28.12.2006
Autor: David Lang
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Nochmal Bescherung? Und dann noch von Santa Claws höchstselbst? Donnerstagnachmittag, quasi mitten in der Woche... die spinnen, die Veranstalter. Kann man nur froh sein, dass es sich um einen Tag zwischen Weihnachten und Neujahr handelte, was die Sache schon wieder angenehmer machte. Silent Bob ins Auto gepackt uns ab nach Losheim. Misery Speaks "Losheim?", höre ich jetzt den geneigten Leser murmeln, und "nein", wir wussten bis dato auch nicht wo das sein soll. Außer dem dezenten Hinweis, dass es sich dabei um einen Ort hinter Trier handele gab es keinerlei brauchbare Info. Nun ja, viamichelin.de sei Dank erreichten wir unser Ziel sogar pünktlich zum Einlass und verpassten demnach auch mal keine Band; gar kein einfaches Unterfangen bei einem solchen, mit sieben Bands nicht gerade dünn besetzten, Großereignis.

Misery Speaks

Die Eisenbahnhalle in dem, wider Erwarten, recht großen Städtchen füllte sich recht schnell und meine Schritte lenkten mich spontan in Richtung Bühne.
Die Töne, die ich von eben jener vernahm waren nämlich hervorragend zum Eröffnen einer zünftigen Bescherungs-Show geeignet.
MISERY SPEAKS aus Münster baten zum Tanz und das taten sie äußerst heavy. Wenn mich bei einer vermeintlichen Metalcore-Show ein DEFLESHED- und ein EMPEROR-Shirt (Bassist und Drummer) anlächeln gibt es allein dafür schon mal einen dicken Bonus. Wenn die Musik dann noch angenehm nach vorne ballert und nicht klischeehaft von einem Beatdown zum nächsten springt, sondern auch mal Death / Thrash-mäßig losbrutzelt, dann kann die Band nur gewinnen. Und tatsächlich waren MISERY SPEAKS, wenn auch nicht die Gewinner des Abends, so wenigstens die schönste Überraschung. Die Moshparts waren überdurchschnittlich, der Sänger sehr vielseitig (die Backings... na ja) und gegen Ende der mageren 25 Minuten Spielzeit konnte man sogar noch einen kleinen Pit für sich verbuchen. Sehr sympathischer Haufen auch.

Setlist "MISERY SPEAKS":

  • Hate Remains
  • Three Times Never
  • First Bullet Hits
  • Haven Still Waits
  • I'm Never Enough
  • Feathering Soil

Deadlock

DEADLOCK waren TOP 2 der Tagesordnung. Die Halle ist mittlerweile wieder ein Stück voller geworden und ich war gespannt, ob die Band es schaffen würde mich live zu überzeugen.
Um es vorweg zu nehmen, sie schaffte es nicht. Das könnte aber auch durchaus daran gelegen haben, dass DEADLOCK ohne Samples (die an diesem Abend permanent ausfielen, bis die Band sie schließlich ganz wegließ) irgendwie unvollständig klingen. Sind es doch gerade diese, die die Band angenehm aus dem Einheitsbrei des Metalcore hervorheben. Deadlock Klang der erste Song aufgrund funktionierender Samples noch sehr atmosphärisch und wies Parallelen zu BLEEDING THROUGH auf, so verlor die Musik mit zunehmender Spieldauer viel an Spannung. Zu gewöhnlich klang das Material ohne die Klangteppiche aus der Konserve. Ein Keyboarder könnte hier helfen. Was bleibt: ein Gitarrist mit ICED EARTH-Shirt, ein anderer mit narzisstischen Anwandlungen (ständig den Scheitel in bester Adolf-Manier zur Seite gestriegelt... tooooll) und ein Sänger der in den klaren Passagen schwächelt (aber ein schickes DEADLOCK-Shirt im MANOWAR-Stil trägt). War alles in allem nicht sehr überzeugend.

As We Fight

Doch AS WE FIGHT setzten dem ganzen noch einen drauf. Waren DEADLOCK mehr oder weniger nur enttäuschend (ich sags noch mal: fehlender Samples sei Dank) waren AWF einfach nur überflüssig. Die einzige nichtdeutsche Band des Abends enttäuschte durch völlig austauschbaren Thrash / Death / Core / wasweißich, der, wie es ein Bekannter so schön sagte, zum einen Ohr rein und zum andern wieder raus flutschte. OK, die Band hatte einen Mordsspaß in den Backen und spielte sich den Arsch ab. As We Fight Alle wirkten sehr sympathisch und die ersten zwei Songs machten sogar richtig Spaß, doch dann kehrte Langeweile ein. Daran konnten auch die energiegeladene Show inklusive zwei Sänger nicht viel ändern. AS WE FIGHT sind meines Erachtens noch weit davon entfernt groß zu werden, bzw. den Metalcore-Boom überhaupt zu überleben. Sorry, Dänen lügen vielleicht nicht, das macht sie aber nicht automatisch zu besseren Musikern.

Fire In The Attic

Das goße Kontrastprogramm lieferten anschließend FIRE IN THE ATTIC aus Bonn mit ihrem explosiven Emorock. Es ist schier unglaublich, aber ich hatte zuvor noch nicht einen Ton von den Jungs gehört, dabei gab es schon genug Chancen. Und siehe da, mal wieder ein kleines Juwel (fast) verpasst. Die Musiker, allen voran Sänger Ole nahmen die einsetzende Resignation des langsam abziehenden Publikums (soviel zur viel gelobten Toleranz des Metal / Metalcore Publikums) mit Humor und schissen obendrein noch drauf, indem sie rockten dass vielleicht nicht der Speicher, aber mindestens die Hütte brannte. Fire In The Attic Selbst Moshkids, die mit dieser Art von (ach so Prügelei-unkompatibler) Musik nix anfangen können müssen doch neidlos anerkennen, dass diese Band a) ein Händchen für griffige Arrangements hat und b) rockt wie die Sau! Ich habe jedenfalls in letzter Zeit kaum eine Band gesehen, die sich dermaßen auf der Bühne verausgabt, Spielfreude de Luxe ausstrahlt UND dabei einen Knaller an den anderen reiht. Vom Energielevel sollte an diesem Abend jedenfalls niemand mehr FIRE IN THE ATTIC toppen können.

Setlist "FIRE IN THE ATTIC":

  • The City
  • Abyss
  • Return To The End
  • Duly Noted
  • Wiretapping With Benefits

Neaera

Auch NEAERA vermochten dies nicht, wenn sie mir, im Ganzen gesehen, auch das Highlight des Abends geliefert haben. Vor der Bühne wird es zusehends enger und die Band hat die Halle in ihrer Gewalt. Bestes Beispiel: nur wenige Sekunden nach der Aufforderung zum Diven, inklusive anschließender "giftiger" Blicke der Security, bricht die Hölle los. Ein Surfer nach dem andern wird durch den Fotograben wieder in die Menge gelotst und der Pit bebte wie kein anderer zuvor oder es danach noch tun sollte. Hier stimmte einfach alles. Neaera Die Saitenfraktion post sich ins Nirwana und spielt zusammen mit dem Drummer präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Bedenkt man zudem, dass Frontsau Benni sich mit einer Mittelohrentzündung auf die Bühne schleppt verdient diese Vorstellung noch mal soviel Respekt, denn der Gute grunz/keift sich durch das Set der Münsteraner, als gäbs kein Morgen. NEAERA überzeugen sowohl auf Platte als auch live und das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Die Abwechslung und vor allem die Brachialität mit der die Musiker zu Werke gehen müsste sämtlichen Metalcore-Kritikern dieser Welt mit einem mal den Wind aus den Segeln nehmen. Brutalität und Melodie in dieser Kombination gibt es leider viel zu selten. Schön, dass es NEAERA gibt.

Setlist "NEAERA":

  • Mechanisms Of Standstill
  • Paradigm Lost
  • The World Devourers
  • Let The Tempest Come
  • Heavenhell

Heaven Shall Burn

HEAVEN SHALL BURN lieferten im Anschluss eine souveräne Show, wie sie es immer tun. Ich habe noch nicht ein schlechtes Konzert der Ossis (hehehe) gesehen und ich schätze mal, dass es das einfach nicht gibt. HSB geben immer 110% und dennoch will der Funke bei mir heute irgendwie nicht überspringen. Möglicherweise habe ich zu diesem Zeitpunkt, wie geschätzte 70% des Publikums, gerade einen Durchhänger. Nach fünf Bands und gut vier Stunden Krach kein Wunder, steckt dem ein oder anderen gewiss noch die "besinnliche" Weihnachtszeit in den Knochen. Heaven Shall Burn Es wirkt schon komisch, wenn man Marcus Bischoff und Konsorten in Ekstase über die Bühne rasen sieht und der Mob vor der Bühne überschaubar vor sich hin stolpert.
Grundsätzlich kann ich wieder mal festhalten, dass egal wie man zu den Studiowerken der Mosher steht (meiner einer mag nur "Antigone" und findet "Deaf to our prayers" beispielsweise sterbenslangweilig); live sind HEAVEN SHALL BURN die Macht.

Caliban

Ganz offensichtlich hatte die Menge tatsächlich auf CALIBAN gewartet, denn hier wurden noch einmal letzte Kraftreserven mobilisiert, die tatsächlich für eine beeindruckende Wall Of Death ausreichten. Auch sonst zeigten die Fans noch mal wozu sie in der Lage waren und forderten die Security ein letztes mal. Ich muss eingestehen, dass ich nach HSB nicht mehr viel erwartet habe, aber CALIBAN spielten die Thüringer heute konsequent an die Wand und das will schon was heißen. OK, die Lightshow der Pott-Boys war natürlich enorm beeindruckend lenkte aber auch nicht von der Tatsache ab, dass hier wirklich geile Musik dargeboten wurde. Caliban Die klaren Gesangspassagen von Gitarrist Dennis kamen tatsächlich klar, das Rhythmusfundament von Marco und Patrick stand wie 'ne 1 und die komplette Band poste wie Hölle. Wenn ich persönlich auch nie sonderlich auf den Gesang von Andy Dörner klar kommen werde, so muss ich doch neidlos anerkennen, dass er mittlerweile ein verdammt guter Frontmann ist.
Well done, boys!

Caliban

Generell muss mal gesagt werden, dass ich noch nie zuvor eine dermaßen entspannte Security erlebt habe. Supernett, immer ein Lächeln parat und kompromissbereit. Selbst zur Diver-Rush Hour behielten die Jungs noch die Nerven und ließen mich das surfende Volk knipsen. Der Sound war den ganzen Abend über zu ertragen, was ich jedoch einzig und allein meinem Gehörschutz zu verdanken habe. Nach einer kurzen Probe ohne den selbigen machte sich nämlich ein arg höhenlastiger und schmerzender Lärm in meinen Lauschern breit. Ich kann beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen, wie ich all die Jahre ohne diesen individuell angefertigten Hörschutz überleben konnte. HSB mit Dave Ich will hier weder prahlen ("Ui, ich kann mir den Scheiß leisten."), noch werde ich von irgendwelchen Hörgeräte-Akkustikern gesponsert; tut euch nur selbst den Gefallen und beißt in den sauren (teuren) Apfel. Wer regelmäßig Konzerte besucht, oder gar selber Musik macht tut gut daran einmalig knapp 150 € zu berappen. Immer noch besser als ein irreparabel zerstörtes Gehör.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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