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Nochmal Bescherung? Und dann noch von Santa Claws höchstselbst?
Donnerstagnachmittag, quasi mitten in der Woche... die spinnen, die
Veranstalter. Kann man nur froh sein, dass es sich um einen Tag
zwischen Weihnachten und Neujahr handelte, was die Sache schon wieder
angenehmer machte. Silent Bob ins Auto gepackt uns ab nach Losheim.
"Losheim?", höre ich jetzt den geneigten Leser murmeln, und "nein", wir
wussten bis dato auch nicht wo das sein soll. Außer dem dezenten
Hinweis, dass es sich dabei um einen Ort hinter Trier handele gab es
keinerlei brauchbare Info. Nun ja, viamichelin.de sei Dank erreichten
wir unser Ziel sogar pünktlich zum Einlass und verpassten demnach auch
mal keine Band; gar kein einfaches Unterfangen bei einem solchen, mit sieben
Bands nicht gerade dünn besetzten, Großereignis.
Die Eisenbahnhalle in dem, wider Erwarten, recht großen Städtchen
füllte sich recht schnell und meine Schritte lenkten mich spontan in
Richtung Bühne.
Die Töne, die ich von eben jener vernahm waren nämlich hervorragend zum
Eröffnen einer zünftigen Bescherungs-Show geeignet.
MISERY SPEAKS aus Münster baten zum Tanz und das taten sie äußerst
heavy. Wenn mich bei einer vermeintlichen Metalcore-Show ein DEFLESHED-
und ein EMPEROR-Shirt (Bassist und Drummer) anlächeln gibt es allein
dafür schon mal einen dicken Bonus. Wenn die Musik dann noch angenehm
nach vorne ballert und nicht klischeehaft von einem Beatdown zum
nächsten springt, sondern auch mal Death / Thrash-mäßig losbrutzelt,
dann kann die Band nur gewinnen. Und tatsächlich waren MISERY SPEAKS,
wenn auch nicht die Gewinner des Abends, so wenigstens die schönste
Überraschung. Die Moshparts waren überdurchschnittlich, der Sänger sehr
vielseitig (die Backings... na ja) und gegen Ende der mageren 25
Minuten Spielzeit konnte man sogar noch einen kleinen Pit für sich
verbuchen. Sehr sympathischer Haufen auch.
Setlist "MISERY SPEAKS":
- Hate Remains
- Three Times Never
- First Bullet Hits
- Haven Still Waits
- I'm Never Enough
- Feathering Soil
DEADLOCK waren TOP 2 der Tagesordnung. Die Halle ist mittlerweile
wieder ein Stück voller geworden und ich war gespannt, ob die Band es
schaffen würde mich live zu überzeugen.
Um es vorweg zu nehmen, sie schaffte es nicht. Das könnte aber auch
durchaus daran gelegen haben, dass DEADLOCK ohne Samples (die an diesem
Abend permanent ausfielen, bis die Band sie schließlich ganz wegließ)
irgendwie unvollständig klingen. Sind es doch gerade diese, die die
Band angenehm aus dem Einheitsbrei des Metalcore hervorheben.
Klang der
erste Song aufgrund funktionierender Samples noch sehr atmosphärisch
und wies Parallelen zu BLEEDING THROUGH auf, so verlor die Musik mit
zunehmender Spieldauer viel an Spannung. Zu gewöhnlich klang das
Material ohne die Klangteppiche aus der Konserve. Ein Keyboarder könnte
hier helfen. Was bleibt: ein Gitarrist mit ICED EARTH-Shirt, ein
anderer mit narzisstischen Anwandlungen (ständig den Scheitel in bester
Adolf-Manier zur Seite gestriegelt... tooooll) und ein Sänger der in
den klaren Passagen schwächelt (aber ein schickes DEADLOCK-Shirt im
MANOWAR-Stil trägt). War alles in allem nicht sehr überzeugend.
Doch AS WE FIGHT setzten dem ganzen noch einen drauf. Waren DEADLOCK
mehr oder weniger nur enttäuschend (ich sags noch mal: fehlender
Samples sei Dank) waren AWF einfach nur überflüssig. Die einzige
nichtdeutsche Band des Abends enttäuschte durch völlig austauschbaren
Thrash / Death / Core / wasweißich, der, wie es ein Bekannter so schön
sagte, zum einen Ohr rein und zum andern wieder raus flutschte. OK, die
Band hatte einen Mordsspaß in den Backen und spielte sich den Arsch ab.
Alle wirkten sehr sympathisch und die ersten zwei Songs machten sogar
richtig Spaß, doch dann kehrte Langeweile ein. Daran konnten auch die
energiegeladene Show inklusive zwei Sänger nicht viel ändern. AS WE FIGHT
sind meines Erachtens noch weit davon entfernt groß zu werden, bzw. den
Metalcore-Boom überhaupt zu überleben. Sorry, Dänen lügen vielleicht
nicht, das macht sie aber nicht automatisch zu besseren Musikern.
Das goße Kontrastprogramm lieferten anschließend FIRE IN THE ATTIC aus
Bonn mit ihrem explosiven Emorock. Es ist schier unglaublich, aber ich
hatte zuvor noch nicht einen Ton von den Jungs gehört, dabei gab es
schon genug Chancen. Und siehe da, mal wieder ein kleines Juwel (fast)
verpasst. Die Musiker, allen voran Sänger Ole nahmen die einsetzende
Resignation des langsam abziehenden Publikums (soviel zur viel gelobten
Toleranz des Metal / Metalcore Publikums) mit Humor und schissen
obendrein noch drauf, indem sie rockten dass vielleicht nicht der
Speicher, aber mindestens die Hütte brannte.
Selbst Moshkids, die mit
dieser Art von (ach so Prügelei-unkompatibler) Musik nix anfangen
können müssen doch neidlos anerkennen, dass diese Band a) ein Händchen
für griffige Arrangements hat und b) rockt wie die Sau! Ich habe
jedenfalls in letzter Zeit kaum eine Band gesehen, die sich dermaßen
auf der Bühne verausgabt, Spielfreude de Luxe ausstrahlt UND dabei
einen Knaller an den anderen reiht. Vom Energielevel sollte an diesem
Abend jedenfalls niemand mehr FIRE IN THE ATTIC toppen können.
Setlist "FIRE IN THE ATTIC":
- The City
- Abyss
- Return To The End
- Duly Noted
- Wiretapping With Benefits
Auch NEAERA vermochten dies nicht, wenn sie mir, im Ganzen gesehen,
auch das Highlight des Abends geliefert haben. Vor der Bühne wird es
zusehends enger und die Band hat die Halle in ihrer Gewalt. Bestes
Beispiel: nur wenige Sekunden nach der Aufforderung zum Diven,
inklusive anschließender "giftiger" Blicke der Security, bricht die
Hölle los. Ein Surfer nach dem andern wird durch den Fotograben wieder
in die Menge gelotst und der Pit bebte wie kein anderer zuvor oder es
danach noch tun sollte. Hier stimmte einfach alles.
Die Saitenfraktion
post sich ins Nirwana und spielt zusammen mit dem Drummer präzise wie
ein Schweizer Uhrwerk. Bedenkt man zudem, dass Frontsau Benni sich mit
einer Mittelohrentzündung auf die Bühne schleppt verdient diese
Vorstellung noch mal soviel Respekt, denn der Gute grunz/keift sich
durch das Set der Münsteraner, als gäbs kein Morgen. NEAERA überzeugen
sowohl auf Platte als auch live und das ist leider keine
Selbstverständlichkeit.
Die Abwechslung und vor allem die Brachialität
mit der die Musiker zu Werke gehen müsste sämtlichen
Metalcore-Kritikern dieser Welt mit einem mal den Wind aus den Segeln
nehmen. Brutalität und Melodie in dieser Kombination gibt es leider
viel zu selten. Schön, dass es NEAERA gibt.
Setlist "NEAERA":
- Mechanisms Of Standstill
- Paradigm Lost
- The World Devourers
- Let The Tempest Come
- Heavenhell
HEAVEN SHALL BURN lieferten im Anschluss eine souveräne Show, wie sie
es immer tun. Ich habe noch nicht ein schlechtes Konzert der Ossis
(hehehe) gesehen und ich schätze mal, dass es das einfach nicht gibt.
HSB geben immer 110% und dennoch will der Funke bei mir heute irgendwie
nicht überspringen. Möglicherweise habe ich zu diesem Zeitpunkt, wie
geschätzte 70% des Publikums, gerade einen Durchhänger. Nach fünf Bands
und gut vier Stunden Krach kein Wunder, steckt dem ein oder anderen gewiss
noch die "besinnliche" Weihnachtszeit in den Knochen.
Es wirkt schon
komisch, wenn man Marcus Bischoff und Konsorten in Ekstase über die
Bühne rasen sieht und der Mob vor der Bühne überschaubar vor sich hin
stolpert.
Grundsätzlich kann ich wieder mal festhalten, dass egal wie man zu den
Studiowerken der Mosher steht (meiner einer mag nur "Antigone" und
findet "Deaf to our prayers" beispielsweise sterbenslangweilig); live
sind HEAVEN SHALL BURN die Macht.
Ganz offensichtlich hatte die Menge tatsächlich auf CALIBAN gewartet,
denn hier wurden noch einmal letzte Kraftreserven mobilisiert, die
tatsächlich für eine beeindruckende Wall Of Death ausreichten. Auch
sonst zeigten die Fans noch mal wozu sie in der Lage waren und
forderten die Security ein letztes mal. Ich muss eingestehen, dass ich
nach HSB nicht mehr viel erwartet habe, aber CALIBAN spielten die
Thüringer heute konsequent an die Wand und das will schon was heißen.
OK, die Lightshow der Pott-Boys war natürlich enorm beeindruckend
lenkte aber auch nicht von der Tatsache ab, dass hier wirklich geile
Musik dargeboten wurde.
Die klaren Gesangspassagen von Gitarrist Dennis
kamen tatsächlich klar, das Rhythmusfundament von Marco und Patrick
stand wie 'ne 1 und die komplette Band poste wie Hölle. Wenn ich
persönlich auch nie sonderlich auf den Gesang von Andy Dörner klar
kommen werde, so muss ich doch neidlos anerkennen, dass er mittlerweile
ein verdammt guter Frontmann ist.
Well done, boys!
Generell muss mal gesagt werden, dass ich noch nie zuvor eine dermaßen
entspannte Security erlebt habe. Supernett, immer ein Lächeln parat und
kompromissbereit. Selbst zur Diver-Rush Hour behielten die Jungs noch
die Nerven und ließen mich das surfende Volk knipsen.
Der Sound war den ganzen Abend über zu ertragen, was ich jedoch einzig
und allein meinem Gehörschutz zu verdanken habe. Nach einer kurzen
Probe ohne den selbigen machte sich nämlich ein arg höhenlastiger und
schmerzender Lärm in meinen Lauschern breit.
Ich kann beim besten
Willen nicht mehr nachvollziehen, wie ich all die Jahre ohne diesen
individuell angefertigten Hörschutz überleben konnte.
Ich will hier
weder prahlen ("Ui, ich kann mir den Scheiß leisten."), noch werde ich
von irgendwelchen Hörgeräte-Akkustikern gesponsert; tut euch nur selbst
den Gefallen und beißt in den sauren (teuren) Apfel.
Wer regelmäßig
Konzerte besucht, oder gar selber Musik macht tut gut daran einmalig
knapp 150 € zu berappen. Immer noch besser als ein irreparabel
zerstörtes Gehör.
In diesem Sinne: Frohe Ostern!
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