Nach der wirklich tollen Livescheibe "One Cold Winter's Night" und dem
Genuss der dazugehörigen DVD war ich sehr gespannt, ob KAMELOT diesen
Eindruck im normalen Touralltag werden halten können. Nach einigen
Terminen im britischen Königreich enterte das Billing Festland und fand
sich an einem regnerischen Aprilabend in der saarländischen
Landeshauptstadt ein.
Die Unsitte, dass der Opener vor dem angekündigten Beginn bereits die
Bühne wieder verlassen hat, war auch bei dieser Tour an der
Tagesordnung und FOREVER SLAVE spielten bei meinem Eintreffen um kurz
vor acht bereits den letzten Song. Da man sich aber untereinander
kennt, wurde mir von fachmännischer Seite bescheinigt, dass die Band
einen engagierten Gig absolvierte, aber noch etwas Luft nach oben hat,
was die Liveumsetzung der Gothic angehauchten Songs angeht.
Ungeduldig wartete ich dann auf FIREWIND. Die Griechen haben
mittlerweile eigentlich nur starke Alben im Gepäck und man durfte
gespannt sein, ob die Südländer vor KAMELOT bestehen konnten.
Der Einstieg war etwas verhalten und die Band kam nicht gleich auf
Touren. Platz war auf alle Fälle genug auf der geräumigen Bühne, auch
wenn das KAMELOT-Schlagzeug bereits im Background aufgebaut war.
Die Fans in der Garage waren auf alle Fälle bereit eine geile
Metalparty zu feiern und nahmen die Griechen mit offenen Armen auf.
Positiv auffällig war der extrem knallige Schlagzeugsound von Marc
Cross, der wirklich Metal war. Insgesamt war es aber viel zu laut und
wenn selbst mein Ohr schmerzt, was selten vorkommt, ist die Grenze des
guten (lauten) Geschmacks lange überschritten. Von der Songauswahl her
versuchte man einen gesunden Mittelweg zwischen Klassikern und Songs
des aktuellen Albums "The Premonition" zu finden, wobei man sich
natürlich, wie immer, über die Klassikerauswahl streiten kann.
Highlights meinerseits waren natürlich "Falling To Pieces" und das
grandiose "Between Heaven And Hell". Sänger Apollo Papathanasio konnte
mich nicht ganz überzeugen, denn auf den Platten kommt seine Stimme
kräftiger und voller rüber. Gus G. ist natürlich ein absoluter
Ausnahmegitarrist, aber auch er hat dann zu kämpfen, wenn die
Soundabstimmung nicht ganz passt. Letztendlich waren die Gesichter der
meisten Besucher aber zufrieden, wenn auch nicht restlos von FIREWIND
überzeugt.
Setlist FIREWIND:
Into The Head
Head Up High
Mercenary Man
Circle Of Life
Falling To Pieces
Insanity
Between Heaven And Hell
I Am The Anger
Nach der halbstündigen Umbaupause schaute ich beim einsetzenden Intro
mal in die Runde und würde die Anwesenden auf gut 400 schätzen. Eine
schöne Zahl für KAMELOT, wobei sich herausstellen sollte, dass nahezu
alle Metallians auch tatsächlich gekommen waren, um Khan und seinen
Rittern zu huldigen. Den Platz am Keyboard hat mittlerweile DORO-Gitarrist und Tastenmann Oliver Palotai inne, der rein optisch einen
grandiosen Gegenpol zum kurz gehaarten Fronter darstellt und der Band
mit seiner Ausstrahlung sehr gut tut. Im Gepäck hatten KAMELOT die
aufgemotzte Version des "Ghost Opera"-Albums, wobei klar ist, sollte
die Multi-Kulti-Truppe kein Album mehr rausbringen, hätte sie genügend
Material, um eine Headliner-Show zu füllen.
Nach dem obligatorischen Geigen-Intro legte die Band mit "Rule The
World" einen standesgemäßen Beginn hin und das Publikum fraß Sänger
Khan sofort aus der Hand. Der Sound war plötzlich optimal und die
massiven Lautstärkenprobleme von FIREWIND gehörten der Vergangenheit
an. Die geräumige Bühne der Garage wurde von der Band voll genutzt und
war während des gesamten Gigs in wunderschönes abgestimmtes Licht
getaucht. Basser Glenn Barry und Thomas Youngblood an der Gitarre
hatten ebenso Lust auf die Show wie das Tier hinter den Drums, Casey
Grillo. Das Ganze wirkte wie aus einem Guss und die Stimmung unter den
Fans stieg von Song zu Song. Der Bombast Metal von KAMELOT kommt live
auf alle Fälle noch ein paar Spuren besser, wie auf den Alben, was
natürlich auch in erster Linie an der herausragenden Stimme von Khan
liegt, der sich keine Blöße gab und jeden Ton perfekt traf. Auf die
stimmliche Unterstützung von EPICA-Sängerin Simone musste die Band
leider verzichten, aber auch der Ersatz war vom Feinsten und bot sowohl
optisch wie stimmlich eine perfekte Show. Am meisten abgefeiert wurden
natürlich die Smasher "Center Of The Universe" und "Forever", sowie
"The Black Halo" und "Karma".
Nach knapp zwei Stunden ging wohl keiner der Garagenbesucher
unzufrieden heim und mich haben KAMELOT absolut überzeugt. Das war eine
Liveshow, die jeden Euro wert war.