Megaherz war endlich wieder auf Tour, mit neuem Frontmann, der kurioserweise dem Vorvorgänger recht ähnlich sieht und auch noch so heißt! Mit dem neuen Chart-Album "Heuchler" im Gepäck konnte man die Münchner für 18 Euro an der Abendkasse im kleinen Nachtleben in Frankfurt erleben. In dem großen Wohnzimmer mit Theke rockte die Band vor gut 200 Leuten exklusiv bzw. ohne Vorband.
Der Laden war fast voll und im bunt gemischten Publikum waren neben wenigen Gothics, jede Menge Langhaarige und ganz normal aussehende Musikfans. Sogar zwei Väter rockten mit ihren sicherlich unter 13 Jahren alten Töchtern mit. Feine Sache, das hätten einige bestimmt in ihrer Jugend auch gerne gehabt, dass die Eltern mitrocken. Die Band kam kurz nach acht auf die kleine Bühne, welche mit Metallstegen etwas vergrößert, bzw. eher erhöht wurde, so dass die Langholzfraktion und auch Frontmann Alexander "Lex" Wohnhass diese erklimmen konnten. So konnten auch die hinteren Gäste die Band gut sehen. Die Stimmung war gut, Frontmann Lex hatte zwar eine leicht kratzige Stimme, was er uns auch entschuldigend mitteilte, doch davon merkte man kaum etwas bei der ausgewogenen Setlist, die alle Hits der Band gut mit dem neuen, starken Album kombinierte. Auch der Sound wirkte druckvoll, lediglich manche Strophen, die nicht so laut gesungen wurden, wie die Refrains, gingen etwas im Riffgewitter unter. Während die Band anfangs noch etwas sehr auf ihren engen Plätzen verweilte, war Lex im leicht martialischen Outfit mit Schutzweste immer in Bewegung und im Augenkontakt mit dem Publikum. Er war auch im Gegensatz zum großteils eher zurückhaltenderen Rest der Band der Blickfang von Megaherz. Die Ansagen waren freundlich, vielleicht das eine oder andere Mal zu lange und flapsige Sprüche gab es auch noch oben drauf. Dazu kommt noch die Tatsache, dass der Mann die alten Songs super singen kann und mit diesem Gig auch mir bewiesen hat, dass er die Fußstapfen seines Namensvetters und Vor-Vorgängers gut ausfüllt! Mit der Zeit waren auch die beiden Gitarristen etwas mehr in Bewegung und Bonfire Schlagwerker Jürgen Wiehler trommelte souverän, wie immer, auf dem mickrigen Kit. Bei Megaherz funktionieren meiner Meinung nach die Midtempo und Pathos Rocker am Besten. Das merkte man auch beim mitsingenden Publikum. Die oft simplen Refrains und Schlagworte wie "Heuchler" oder "Kopfschuss" können sogar Nichtkenner der Band direkt mitgrölen, Frontmann Lex versuchte auch immer die Menge mit einzubeziehen. Nach den Zugaben, wobei lediglich eine Ballade etwas Fahrt aus dem Ganzen nahm und dem Discohit "Miststück" war dann nach gut 95 Minuten Schicht im Schacht, wonach die Band noch länger am Merchandisetisch stand, Autogramme schrieb und mit den Fans in Kontakt war. Fazit: Hat Spaß gemacht!