Es waren nur noch wenige Tage bis Weihnachten und noch ein paar weitere bis Silvester, Zeit also für mein Jahresabschluss-Konzert und was sollte sich bei dieser tristen Jahreszeit besser eignen als ein paar melancholische Rock-Klänge? Nachdem mir "Karma Killer", das aktuelle Werk von NEGATIVE, wieder bedeutend besser gefiel als der Vorgänger, zu dem ich so gar keinen Zugang finden wollte, schien dieser Abend geradezu prädestiniert für mein Vorhaben zu sein. Zudem freute es mich, dass mit SUBSTYLE eine - zumindest in meinen Ohren - interessante Vorgruppe aufwarten sollte. Also, gesagt, getan! Bei Ankunft vor der Batschkapp bot sich mir dann ein ziemlich ungewohntes Bild. Sehr viele, vor allem junge Mädchen, warteten bereits - zum Teil in Begleitung ihrer Eltern - sehnsüchtig auf Einlass und ich befürchtete bereits das Schlimmste in Form von wild kreischenden Fans und enormem Andrang vor der Bühne. Glücklicherweise sollten sich diese "Horrorvisionen" aber nicht bewahrheiten, aber immer der Reihe nach...
Als auch ich endlich in den Räumlichkeiten der Kapp ankam, war es vor der Bühne schon angenehm voll, doch ansonsten hielt sich der Andrang in Grenzen. Bevor die finnischen Rocker das vorwiegend junge, weibliche Publikum zum Abfeiern bringen durften, hatte die Kölner Formation SUBSTYLE die wenig dankbare Aufgabe den Abend gegen 18.55 Uhr zu eröffnen. Mir war die Gruppe durch die beiden ersten Alben "On The Rocks" und "Out To Lunch" ein Begriff, stellten sie doch eine poppigere Variante von FAITH NO MORE dar. Leider wurde es nach dem 2002er Werk recht ruhig um die Band und erst sechs Jahre später meldeten sie sich mit "Walk The Dino" zurück, welches mir dummerweise noch nicht bekannt war. Der erste Song "Neo" stammte jedoch vom Zweitwerk, bevor zwei neue Nummern folgten, von denen das schnelle und abgedrehte "Ohterwise" zu gefallen wusste. Sänger Guido Böckem war ständig in Bewegung und nutzte jeden Zentimeter der reichlich beengten Bühne ebenso wie Gittarist David Schlax. Leider fand die Performance bei der heutigen Girlie-Veranstaltung kaum Beachtung, so dass selbst der Hit "Downstreams" keinerlei Aufmerksamkeit erregen konnte. Die 40 Minuten endeten mit dem coolen "Quarantaine" von "Out To Lunch", ohne dass es die sympathische Truppe geschafft hatte, sich die Anerkennung der Anwesenden zu erspielen. Sehr schade, aber da die Mixtur stilistisch doch eher unpassend wirkte, verwunderte mich dies auch nicht weiter. Ich hoffe jedenfalls, dass SUBSTYLE am Ball bleibe, beim nächsten Auftritt vor anderem Publikum stehen dürfen und die nächste CD wieder zu den Wurzeln der früheren Werke zurückgeht, da die Mucke dort doch 'nen Zacken eingängiger war.
Die Batschkapp war mittlerweile gut besucht, als keine 20 Minuten später dann die Finnen um Sänger und Frauenschwarm Jonne Aaron die Bühne enterten, welche ihr Konzert mit dem NEIL YOUNG-Cover "My My, Hey Hey (Out Of The Blue)" eröffneten. Die Euphorie im Publikum war entsprechend groß, denn endlich sollte das "lange" Warten belohnt werden. Ich kann durchaus nachvollziehen, warum die Damenwelt Herrn Aaron anziehend findet, war er doch nett anzuschauen, was aber bei Weitem nicht Alles war. Er gab einen agilen Frontmann ab und war ständig in Bewegung, als hätte er Hummeln in seinem Allerwertesten.
Vermutlich lag es auch daran, dass er während des Auftrittes auf den, für viele obligatorischen, Alkohol (Rotwein oder Wodka) verzichtete und dafür Wasser trank. Hiervon könnten sich einige seiner Kollegen durchaus eine Scheibe abschneiden, die teilweise recht hüftsteife Vorstellungen abliefern. Seine Show wusste jedenfalls zu gefallen, kam gut an und die Fans klebten an seinen Lippen. Außerdem posten Gitarrist Larry Love und Bassist Antti Anatomy was das Zeug hielt und sorgten damit zusätzlich für Unterhaltung. Die Songs rockten ordentlich, ohne die emotionale und melancholische Note vergessen zu lassen und die Stimmung war folglich ausgelassen. Ich konnte mich aber der Tatsache nicht erwehren, dass nach dem PINK FLOYD-Cover "Wish You Were Here" ein wenig Abnutzungserscheinungen aufkamen, welche nur durch die Nummer "Frozen To Loose It All" kurzfristig beendet wurden. Hier sorgten die wenigen anwesenden männlichen Fans sogar für einen kleinen Moshpit. Ich konnte daher das gesunde Selbstbewusstsein von Jonne Aaron nicht ganz teilen, sie seien die nächsten kleinen Dinosaurier, welche irgendwann Größen wie METALLICA und AC/DC ablösen würden. Nach 80 Minuten und einem Kuss von Jonne Aaron an Larry Love sollte vorerst Schluss sein und das Quintett verließ die Bühne, um sich danach geschlagene fünf Minuten feiern zu lassen, bevor sie für weitere Zugaben zurückkamen. "Until You Are Mine" und "Won't Let Go" brachten das Publikum schließlich erneut zum Kochen, was vielleicht aber auch an der Tatsache lag, dass Jonne Aaron den Abschluss mit freiem Oberkörper zum Besten gab. Alles in Allem war es eine runde Sache, ein netter Abend und ein entspannter und würdiger Jahresabschluss der Konzertsaison 2008.