Vor genau dreißig Jahren verließ Ozzy Osbourne BLACK SABBATH. Doch in dem damaligen RAINBOW-Sänger finden Tony Iommi und Co. einen mehr als würdigen Ersatz und zusammen nimmt man einen absoluten Meilenstein der Rockgeschichte auf, nämlich "Heaven And Hell"! Nun sind BLACK SABBATH wieder reformiert, doch Tony Iommi, Geezer Butler, Vinnie Appice und Ronnie James Dio sind wieder zusammen auf Tournee, haben sogar ein neues Werk "The Devil You Know" in den Startlöchern, welches es ausführlich zu promoten gilt.
Letzter Zwischenstopp dieser nur kurzen Tour ist die Bonner Museumsmeile, ein relativ kleines aber feines Gelände um ein Open Air mittlere Größe in angenehmer Atmosphäre zu veranstalten. Unter einer fest installierten
Zeltkonstruktion, ähnlich derer eines Zirkus, befindet sich die Bühne. Und ziemlich früh sollte das Geschehen auf jener beginnen.
Als langjähriger Konzertbesucher mache ich mich nun auf den Weg nach Bonn. Um kurz vor Acht angekommen stelle ich überrascht fest, dass beiden Vorbands, nämlich AXEL RUDI PELL und die one-and-only Metalqueen Doro Pesch schon das Feld räumten. Von letzterer konnte ich vom Parkplatz aus noch ein paar letzte Klänge erleben. Jedoch ein Blick auf die Uhr zeigt dennoch, dass ich unter normalen Umständen nicht zu spät bin. Doch tatsächlich sollten pünktlich um 20:00 Uhr schon HEAVEN AND HELL ihren Gig starten. Das Konzert vor zwei Tagen in Karlsruhe hat die Band um kurz vor Zehn begonnen, so vermutet man, dass die Geräuschbestimmungen in der ehemaligen Bundeshauptstadt Gründe dieser Zeitverschiebung sind.
Nach dem Intro "E5150" entern HEAVEN AND HELL, oder sind es doch BLACK SABBATH, die Bühne - egal! "The Mob Rules" knallt vehement aus den Boxen. Ronnie James Dio, der knapp auf die Siebzig zugeht, sieht und merkt man seine Jahre nicht an. Da wäre ein Vergleich mit einem senilen und wesentlich jüngeren Ozzy Osbourne mehr als eine Beleidigung. Auch stimmlich ist der kleine Mann mit der großen Stimme noch immer ganz Herr der Lage. An den Instrumenten tun sich seine Kollegen ebenfalls jugendlich leicht.
Geezer Butler sorgt mit Flitzefingern für ein ordentliches Fundament, während man immer wieder erstaunt ist, dass Tony Iommi mit Fingerkuppen-Prothesen das ein oder andere fantastische Solo aus den sechs Saiten zaubert. Über allem thront Vinny Appice, der Takt vorgibt. Links und Rechts neben den Boxen sind große Leinwände aufgebaut, auf welchen auch die Zuschauer in den hinteren Reihen die Musiker in Nahaufnahmen gut sehen können. In der Mitte der Bühne, über dem Schlagzeug, werden zu jeden Stück verschiedene Videos projiziert, die jedoch etwas kitschig und vor allem billig wirken, vergleicht man diese mit jenen von IQ, PORCUPINE TREE oder RUSH, welche deren Live-Shows optisch bereichern. Akustisch gibt es anfänglich und gegen Ende des Auftrittes einige Mängel zu verzeichnen, so klingt der Gesang völlig übersteuert, wie etwa defekte Hochtöner. Doch dem Großteil des Publikums scheinen diese Soundprobleme wenig zu beeindrucken. Man feiert lautstark mit. Insbesondere die Zuschauerchöre zu dem ausschweifenden "Heaven And Hell" sind großartig. So bietet die nach diesem großen Hit benannte Truppe einen Querschnitt durch die Dio-Ära von BLACK SABBATH und präsentiert mit "Bible Black", "Fear" und "Follow The Tears" Stücke der aktuellen Scheibe, die zwar nicht jedem Zuhörer bekannt scheinen, dennoch positiv aufgenommen werden. Nach keinen eineinhalb Stunden verlässt man schon die Bühne, um kurz später nach dem nur angespielten "Country Girl" noch das rockige "Neon Knights" zum Besten zu geben. Nach neunzig Minuten findet das Spektakel nun seine Ende. Es ist noch hell! Doch es war ein schönes, obwohl kurzes Konzert!