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628 Reviews in der Datenbank
Billing: ROTTEN SOUND, TRAP THEM, GAZA, THE KANDIDATE, HAUST
Ort: Köln, Underground
Datum: 02.04.2011
Autor: David Lang
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Totaler Underground im Underground. Ehrenfeld-Hopping sei Dank ist der Kölner Stadtteil an jenem sonnigen und sogar warmen Samstagabend (im April!) hoffnungslos überlaufen. Haust The Kandidate An jeder Straßenecke stehen unzählige Menschen, die die teilnehmenden Clubs und Kneipen zum Bersten füllen. Dagegen hat das zeitgleich stattfindende Konzert im coolsten Club des Veedels mit seinem krassen Line-Up natürlich kaum eine Chance.

So finden sich letztlich leider nur 100-120 zahlende Nasen im Underground ein, um dem Lärm zu frönen. Mir persönlich kommt das gerade recht, da die kleine Location dazu neigt, schnell stickig und unangenehm zu werden.
Als wir die heiligen Hallen betreten, haben die eröffnenden Haust bereits ihr Set begonnen. Dieses kränkelt allerdings, und das wird schnell klar, an zwei Dingen. Zum einen ist der Sound definitiv zu laut, zum anderen ist die Halbwertszeit der Musik nicht mal so lang wie der Gig. Laut Myspace spielen die Osloer eine Mischung aus Black Metal, Hardcore und Punk. In meinen Ohren war das lediglich uninspirierter Hardcore, der nur ganz selten aufhorchen ließ. Auf der Haben-Seite steht dagegen der Fronter, der auf seine ganz eigene Weise einen interessanten Blickfang darstellt. Als eine Mischung aus Sideshow-Bob und Jack Osbourne stampft das dicke Männlein in seinem besudelten Feinrippunterhemd in einem fort über die kleine Bühne und guckt angestrengt böse. Ist soweit ganz witzig, aber auch verzichtbar.

Gaza Gaza

Anschließend wird erstmal das halbe Merch des Headliners verhaftet und den Toiletten ein Besuch abgestattet. Als ich zurückkomme, bin ich zunächst von der Präsenz des The Kandidate Sängers irritiert. Kann es sein...?, und jepp, niemand Geringeres als Ex-Hatesphere Fronthüne Jacob Bredahl fuchtelt gerade in den ersten Reihen herum und geht, wie man es von ihm kennt, auch gleich auf Tuchfühlung mit den ersten Reihen. Leider ist dort immer noch nicht mehr los, als bei Haust, doch Bredahl, ganz der Bühnenprofi lässt sich davon nicht irritieren und bedankt sich brav beim Publikum für den Zuspruch.

Die Dänen spielen einen gefälligen Mix aus Thrash und Hardcore mit leichter Asirock-Schlagseite. In den schnelleren Momenten erinnert die Band, allein durch ihren Sänger zwar unweigerlich an dessen alte Brötchengeber, jedoch können The Kandidate mehr Groove auf ihrer Seite verbuchen. Wenngleich von den Songs auch kaum etwas hängen bleibt, macht Bredahl vieles durch seine schiere Präsenz wett. Der Mann ist einfach nur unglaublich authentisch, und was immer er tut, macht er offensichtlich aus Überzeugung. Für eine Vorband auf jeden Fall schon mal gut.

Was danach kommt, spottet einfach jeder Beschreibung. Suchen die hinteren Reihen (es ist mittlerweile angenehm voll geworden) zunächst vergeblich nach dem Mensch, der den Lärm, der ihnen entgegenschlägt "gesanglich" veredelt, wird das Rätsel weiter vorne schnell gelöst. Gaza eröffnen ihr Set sofort mit einer Menge Aggression und ihr Fronter tobt, anscheinend etwas verstört durch die vorderen Reihen. Der lange, hagere Glatzkopf schreit sich zu den disharmonischen Kakophonien seiner Mitstreiter durch ein Inferno von einer Show. Doch auch der Drummer (sorry, keinerlei Infos bzgl. der Bandmitglieder gefunden) scheint für diese Tour extra von der Muppet Show ausgeliehen worden zu sein. Später bestätigt dieser mir meine Theorie zumindest teilweise. Jeder Drummer habe die gottverdammte Pflicht das Publikum wenigstens glauben zu lassen, Animal säße hinter den Kesseln.

Trap Them Trap Them

Pate für den Sound des Salt Lake City Quartetts standen eindeutig extreme Sludge / Krachkapellen wie Eyehategod und Grief, nur agieren Gaza weitaus variabler. Grind, Hardcore, hier wird die Welt des Krachs zusammengeführt und Kunst daraus erschaffen. Gaza darf man durchaus als Gesamtwerk verstehen. Sind sie auf Konserve in voller Albumlänge mitunter recht anstrengend, macht die Band live tierisch Spaß. So atonal und wüst der Sound der Vier klingt, so finden sich auf eine verstörende Art auch immer wieder schöne Elemente in der Musik. Der Sänger schafft es tatsächlich, das recht müde Publikum in Bewegung zu versetzen. Zwischen den Songs verzichtet er komplett auf sein Mikro und interagiert quasi unplugged mit den Fans. Dabei wirkt er partiell gefährlich, was der Show aber nur zugute kommt. Nach diesem Gig jedenfalls sieht man viele zufriedene Gesichter.

Trap Them, die ich leider erst mit ihrem neuen Werk "Darker Handcraft" kennen gelernt habe gehen anschließend ähnlich intensiv zu Werke und lassen das Underground steil gehen. Man gewinnt schnell den Eindruck, dass hier bereits die heimlichen Headliner die Bühne abfackeln. Die Amis metzeln ihren heftigen Grind, Hardcore, wasauchimmer-Core derart energisch ins Volk, dass einem angst und bange werden kann und man kaum eine andere Möglichkeit hat, als sich mitreißen zu lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Vierer brutal groovt, im Uffta-Takt rödelt oder via Blast die Decke wegballert.

Trap Them sind live eine Macht, das dürfte selbst dem größten Zweifler nach den ersten Songs klar gewesen sein. Wie schon bei sämtlichen Bands zuvor ist auch hier die Authentizität der Mucker der große Bonus. Lediglich Gitarrist Brian Izzi stellt so etwas wie einen stoischen Ruhepol dar; Bassist Stephen Lacour dreht während der Show zusehends immer mehr ab, schreit und stiert hypnotisch ins Publikum. Sänger Ryan McKenney wirkt ebenfalls wie Rock 'n' Roll (im weitesten Sinne) sein sollte, nämlich wild und gefährlich und schlägt sich mit seinem Mikro die halbe Stirn blutig und selbst Drummer Chris Maggio umgibt die Aura des Psychos.

Rotten Sound Rotten Sound

Wie bereits kurz angeschnitten steppt bei der Salem-Bande der Papst im Kettenhemd, doch wie bei sämtlichen anderen Bands auch hier keine Spur von asozialem Verhalten oder gar Spacken-Kung Fu. Die meisten Reaktionen erhält erwartungsgemäß das arschcool rockende "The Facts" vom neuen Album. Und jetzt alle: "I am a goddamn' son of a biiiiitch!!!"

Meine Bedenken, ob die Headliner die zwei grandiosen Darbietungen zuvor überbieten können, erweisen sich nur bedingt als berechtigt. Rotten Sound stinken nicht, Rotten Sound schwitzen nicht und Rotten Sound sind auch nur wenig abgefuckt. Rotten Sound sind die Gentlemen of Grind (alle komplett in schwarz) und doch so unglaublich heavy, laut und brutal. Hier muss nicht viel auf der Bühne passieren und das tut es auch nicht. Lediglich Sänger Keijo Niinimaa nutzt mehr als einen halben Quadratmeter der Bühne. Seine Mitstreiter trümmern sich "nur" arschtight durch ein ultraheftiges Set. Hier liegt dann auch höchstens der Hund begraben. Während gerade Gaza und Trap Them immer wieder "tanzbare" Parts in ihrem Set hatten, regiert bei den Suomis fast durchgehend der Knüppel. Natürlich packt das Quartett zwischendurch auch die berühmt-berüchtigten Schleifer aus, doch bei einer knappen halben Stunde Spielzeit (und gut 20 Songs!) kommt leider kaum ein richtiger Pit zustande.

Lediglich gegen Ende geht Niinimaa in die ersten Reihen und schubst unter anderem den Rezensenten eures Vertrauens ein wenig herum. Die kurze Spielzeit kam übrigens durch überziehende Vorbands und zu lange Umbaupausen zustande. So müssen die Headliner dann leider viel zu früh von den Brettern. Als wäre das nicht schlimm genug, hört man dazu lediglich eine Hand voll Nasen "One More!" rufen... sagen. Stellen wir uns einfach vor, Köln wusste, dass es zu keiner Zugabe kommen konnte.

Seltsames Ende, aber wieder einmal waren Rotten Sound Schuld an einer persönlichen Neuentdeckung. Kann man so oder so unter "Erlebnis" verbuchen. Muss man mal erlebt haben.

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