Mein erstes Konzert in Essen! Ich hoffte, dass sich nun die echt weite Anreise von 200km und der Kampf im plötzlich aufgetretenen Schnee sich lohnen sollte. Jedoch zweifelte ich keine Sekunde lang, dass ich keine Enttäuschung erleben würde, denn der ungekrönte König des Death-Metal rief und viele, - für die Zeche Carl - wirklich viele kamen.
Opener auf dem Spektakel der Schwermetaller waren Criminal. Die halb chilenische, halb großbritannische Band überraschte mit brachialem Sound, wirklich ausgefeiltem Riffing und walzendem Groooooooooooove! Der Frontmann Anton Reisenegger erschien zunächst wie eine bessere Kopie des "Godfathrer of Psychodelic Metal" Devin Townsend, was nicht nur durch das abgegriffene Strapping Young Lad-Shirt unterstützt wurde. Die Band stellte auf dieser Support-Show ihr neues Album "No Gods, No Masters" vor, was beim Publikum relativ "träge" ankam.
Die große Masse begnügte sich im hinteren Teil der Lokalität mit Biertrinken und Smalltalk. Der Funke wollte allerdings zur sich auf der Bühne mühenden Band nicht so recht überspringen, was ich aus meiner Warte aus gesehen nicht nachvollziehen konnte. Meines Erachtens bot die Combo gute Show zu vollem, brachialem Sound. Ich selber kannte die Band vorher noch nicht, war aber wirklich spontan durch die Liveperformance angetan. Respekt!
In der kurzen Umbaupause kam in mir die Erwartung von zwei von mir vorher gesehenen Shows hoch, die mich nichts Gutes erahnen ließen. Fleshcrawl bestätigten auch diesmal meinen ursprünglichen Eindruck, was maßgeblich an zwei Bandmitgliedern lag. Zum einen am wirklich langweiligen Sänger, dessen Charisma mit dem einer Scheibe gelochtem Leerdammer in der Sommersonne zu vergleichen ist. Wer jeden Song mit einer Stimme ansagt, die im letzten Song noch die krachenden Gitarren untermalt hatte, der ist in meinen Augen lediglich lachhaft, aber auf keinen Fall unterhaltsam. Der zweite, der eine wirklich unterirdische Leistung ablieferte war der Drummer. Gott allein weiß wie man als professionelle Band einen solch unrhythmischen und schlecht agierenden Schlagzeuger mit auf eine Tour nehmen kann.
Weder langsame, rollend angedachte Parts funktionierten, noch konnte man im Snareschlag des Schlagzeugers bei schnellen Blastbeats irgendeine Regelmäßigkeit feststellen. Man hatte eher das Gefühl einen krampfenden Autisten vor sich auf der Bühne sitzen zu haben als einen Schlagzeuger, der sein Handwerk versteht. Zum Rest der Band kann ich nur sagen: Gut gemacht! Der Sound hat gestimmt, das Gitarrenzusammenspiel war wunderbar, jedoch blieben die beiden zuvor genannten Mankos als bestätigendes Erlebnis in meinem Gedächtnis. Fleshcrawl haben übrigens auch in dem Support der US-Rocker ein neues Album mit dem aberwitzigen und einfallslosen Namen "Made of Flesh" vorgestellt…aber die Vorstellung war, wie ich bereits erwähnte genau so lachhaft wie der Titel des Albums. Six Feet Under ließen sich mit dem Umbau und Linecheck etwas mehr Zeit, was sich allerdings lohnen sollte. Der Raum füllte sich derweil zunehmend und die Hitze näherte sich dem Siedepunkt. Opener des Schlachtfestes war "Victim of the Paranoid" und das war auch gut so. Die drängelnde Meute wurde durch diese Songwahl sofort von 0 auf 100 beschleunigt und es dauert nicht lange, bis die ersten Diver die Bühne enterten, was sowohl die Security als auch Chris himself sichtlich kalt lies.
Die Setliste erstreckte sich über (fast) alle Alben ausgenommen "Alive & Dead" und brachte (ebenfalls fast) alle Hits der Knüppel-IG um Chris Barnes. Selbiger hatte auf diesem Tourauftakt ernsthafte Probleme mit Dropouts seines Funkmikros. Eben das ließ den Großmeister des Öfteren im Dunkeln stehen und man konnte seiner einzigartigen Stimme leider kein Gehör schenken. Runing-Gag und Leckerbissen für jeden Corpse-Fan war natürlich der Fill-In von "Stripped raped & strangeled". Nach ca. 80 Minuten und 1 Liter hart erkämpften Schweiß weniger neigte sich der Auftritt der souveränen Amerikaner dem Ende zu. Meine Meinung:
Ich habe schon des Öfteren dieser Band lauschen dürfen und dieser Auftritt hier war der bisher mittelmäßigste. Ein wahres Feuerwerk haben die Jungs nicht abgefeuert, was allerdings sowohl an den technischen Problemen als auch an dem recht trägen Essener Publikum.
Das Konzert war okay, die Zeche hat mich begeistert und Six Feet Under haben die weite Anfahrt gerechtfertigt. Müde und geschafft verließen wir die Zeche mit dem zufriedenen Gedanken nicht heimfahren zu müssen, denn das warme Bett und die ersehnte Dusche im Hotel erwarteten uns mit offenen Armen.