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Eine der besten Melodic Scheiben der letzten Zeit kommt mal wieder über
musicbuymail angeflattert. Die deutsch-norwegische Kombination bietet
mit ihrem dritten Album eine Konzeptscheibe der Spitzenklasse, die
allen Ansprüchen, in punkto Songwriting, Texten, Melodien und
musikalischer Qualität genügt. Drummer Alex Hlousek stand uns Rede und
Antwort.
Hi, Alex,
erzähl mal bitte etwas über die Idee zu "The 13th Apostle", wie kommt
man darauf, die Geschichte von Jesus thematisch umzusetzen?
Wie man darauf kommt? Wenn man's genau nimmt eigentlich durch dumme
Zufälle. Der Bruder unsere Gitaristen Deddy hatte einen Traum. Er war
bei Jesus und wollte unbedingt einer seiner Jünger werden. Aber Jesus
hat ihm nur gesagt, dass die Geschichte doch geschrieben sei. Es gibt
12 Jünger, keine 13, daher kann er leider nicht dazugehören.
Irgendwie haben wir die Idee gemocht. Zuerst wollten wir nur einen Song
daraus machen, doch nach und nach sind uns immer mehr Ideen gekommen,
wie man die Geschichte noch erweitern könnte. Er verliebt sich in
Jesus' Schwester usw. usf. Und nach und nach hat sich aus dem einfachen
Song die Idee entwickelt ein ganzes Konzeptalbum mit einer
abgeschlossenen Geschichte aufzunehmen.
Ursprünglich wollten wir eigentlich nie ein Konzeptalbum machen. Da
waren unsere Ansprüche einfach zu hoch. Die Geschichte muss packend
sein, die Songs müssen musikalisch der roten Linie der Story folgen,
doch gleichzeitig muss jeder Song für sich selbst stehen können. Doch
plötzlich hatten wir diese Geschichte, Songs welche die gesteckten
Ziele erfüllen, und wir waren mitten in der Produktion eines
Konzeptalbums, obwohl wir das anfangs eigentlich gar nicht so geplant
hatten.
Bei mir findet ihr rein interessehalber mit einer solchen Scheibe mehr
als Gehör. Wer hatte denn die Idee zu diesem speziellen Blickwinkel der
Geschichte. Da stellt sich zudem die Frage, inwiefern ihr fachmännisch
beraten wurdet?
Nun, wie bereits erwähnt hat sich die Geschichte aus dem Traum
entwickelt. Wir haben uns dann mit Ana Kugli, einer langjährigen
Freundin von Wolfgang und eigentlich der ganzen Band zusammengetan. Sie
hat Literaturwissenschaften studiert und sogar ihren Doktor darin
gemacht. Bei der Umsetzung der Story hat sie uns unglaublich viel
geholfen, und ohne sie wäre das Album bei weitem nicht das geworden was
es ist. Sie hat sich wirklich intensiv mit der Bibel, der
Bibelgeschichte und den unterschiedlichsten Apokryphen beschäftigt und
so eine unglaubliche Detailfülle erreicht. Und als Literaturexpertin
hat sie genau gewusst, wo sie zum Suchen anfangen muss und wie unsere
Story auch in die gegebenen Fakten der damaligen Zeit eingebetet werden
muss. Wir verdanken ihr für den Erfolg der Platte wirklich sehr, sehr
viel.
Es ist doch Wahnsinn, dass gerade das Leben und Wirken von Jesus
Christus die Menschheit nicht loslässt und immer wieder neue Akzente in
der Forschung gesetzt werden. Der Öffentlichkeit ist oft nicht klar,
dass Jesus von Nazareth eigentlich ein Prog-Metaller war, ein
Revolutionär seiner Zeit, der einen fundamentalen Umsturz der
bestehenden Ordnung forderte und für diesen eintrat. Der Messias war
definitiv ein knallharter Typ. Was man aus seiner Lehre in der Folge
gemacht hat, ist eine andere Sache. Wie siehst du das?
Schwierige Frage, vor allem weil es ja nicht so war, dass wir unbedingt
ein Album mit biblischem Hintergrund schreiben wollten. Das hat sich
halt so entwickelt.
Aber du hast schon Recht. Die Kirche müsste in vielerlei Hinsicht sehr
kritisch hinterfragt werden. Es ist bei uns ja nicht so, dass wir die
Bibel und die Geschichte Jesu in Frage stellen oder gar verspotten,
nichts liegt uns ferner, aber viele Leute wissen nicht, dass die
Kirchenoberen in diversen Konzilen entschieden haben, welche Lehren und
Bücher in die Bibel kommen und welche nicht. Vielen Personen ist nicht
bekannt, dass es auch ein Buch Jesu gibt, so wie die Bücher Lukas,
Matthias usw. All diese Gleichnisse, Erzählungen und Geschichten, die
es nicht in die Bibel "geschafft" haben, werden Apokryphen genannt. Wir
haben lediglich unsere eigene Apokryphe geschaffen. Ich bin auch der
festen Überzeugung, dass man die Bibel auf keinen Fall als
Tatsachenbericht hinnehmen darf, sondern eher als ein "Anleitung zum
Leben" oder ein Regelsammlung für ein sorgsames, rücksichtsvolles
Miteinander.
Ich für meinen Teil würde von mir behaupten schon ein gläubiger Mensch
zu sein. Ich glaube an einen Gott, oder eine "höhere Macht", die alles
ein wenig in die richtigen Bahnen zu lenken versucht. Doch ich brauche
ganz entschieden keine Kirche dazu. Ich könnte mit dir jetzt
stundenlang über die Sinnhaftigkeit eines Papstes, der sich allen
Ernstes "Vertreter Gottes auf Erden" nennt, diskutieren, aber das wäre
hier dann doch etwas fehl am Platz und würde den Rahmen sprengen.
Da könnten wir beide uns sicherlich über Tage unterhalten Ihr habt euch
illustre Gäste ins Studio geholt, um die Scheibe zu veredeln. Wie kam
es dazu?
Carsten Schulz, der die Rolle von Jesus übernommen hat, ist schon lange
ein sehr enger Freund der Band. Bevor wir S.I.N. gründeten und Carsten
damals bei Domain einstieg, spielten wir zusammen in der Band FOREVER.
Aus business-technischen Gründen mussten wir uns damals leider trennen,
aber seitdem wollten wir unbedingt mal wieder zusammen arbeiten. Jetzt,
mit der Produktion von "The 13th Apostle", hat sich diese Möglichkeit
dann endlich ergeben. Die Tatsache, dass Carsten im selben Ort wie
Deddy wohnt hat das Ganze dann nochmals vereinfacht. Über Carsten kam
dann der Kontakt zu Judas, oder besser gesagt Conny Andreszka zustande.
Er hatte ihn dann einfach bei uns im Studio dabei und das Aufnehmen mit
ihm hat von Anfang an super funktioniert.
Etwas komplizierter war da die Besetzung von Junia, da wir einfach
keine wirklich gute Rock-Sängerin persönlich kannten. Deddy hat Renee
Walker dann über MySpace kennen gelernt. Echt eine feine Sache dieses
Portal. Es war schlicht unglaublich was diese Frau am Mikro geleitstet
hat. Man kann sich kaum vorstellen, dass sie all ihre Stimmen an einem
Nachmittag aufs Band gebracht hat. Wir haben mit ihr dann noch
zusätzliche Chöre recorded, die anfangs nicht mal auf dem Plan standen.
Der pure Wahnsinn.
Und Boban war ja Frontman der Karlsruher Formation WICKED SENSATION.
Die Jungs kennen wir auch schon lange, und Boban hat einfach mal bei
uns vorbeigeschaut als er in Deutschland war, er wohnt ja in Paris.
Auf jeden Fall sind wir auch ziemlich stolz drauf solch hochkarätige
Sänger auf dem Album verewigt zu haben. Das hat schon sehr viel Spaß
bereitet mit ihnen allen zu arbeiten.
Ich finde die Ballade "Tears Of Gethsemane" echt klasse. Aber auch alle
anderen Songs, insbesondere "Junia's Eyes" sind wahre Perlen. Wie läuft
das Songwriting bei einer international besetzten Band wie euch?
In den meisten Fällen arbeiten Deddy und Wolfgang die ersten Ideen
gemeinsam aus. Wenn die erste Struktur steht, dann arrangieren wir die
Songs gemeinsam durch, tauschen Ideen aus, da ändert sich dann im
Proberaum schon immer noch einiges. Aber die grundsätzlichen Dinge
kommen von Deddy und auch Wolfgang. Die Songs die wir dann
ausgearbeitet haben schicken wir Pat als MP3. Das Internet vereinfacht
uns die Arbeit da schon erheblich.
Wer hat denn die geniale Covergestaltung zu verantworten?
Das komplette Album wurde von einem japanischen Fan von uns designed.
Sie war schon im Besitz unserer ersten beiden Scheiben, und wiederum
über MySpace sind wir mit ihr in Kontakt gekommen. Man tauscht sich
aus, schreibt ein paar Mal hin und her und plötzlich flattern einem die
ersten Designs ins E-Mail-Postfach. Sie ist Grafikgestalterin und hat
sich dann der ganzen Sache angenommen.
Was habt ihr bezüglich der Liveumsetzung vor? Gibt es eine Konzeptshow,
bei der das gesamte Album gespielt wird?
Was live passieren wird können wir leider noch gar nicht absehen. Wir
würden mit der Sache unglaublich gerne auf die Bühne, wissen aber
ehrlich gesagt noch nicht wie das finanziert werden soll. Durch eine
internationale Besetzung mit einem Sänger aus Norwegen wird das alles
halt ein deutliches Stück teurer. Da setzt man sich nicht mal kurz ins
Auto und fährt ein paar hundert Kilometer, sondern das muss alles etwas
genauer geplant und vor allem kalkuliert werden.
Dann wissen wir auch noch nicht wie wir das machen. Mit allen Sängern
live zu spielen wäre eine unglaubliche Freude, aber das würde auch
jedes Budget sprengen. Sänger vom Band... nun ja... auch nicht
unbedingt das Wahre.
Wir sind dran uns da was zu überlegen, aber wie das im Endeffekt werden
wird, das ist noch völlig offen.
Wie siehst du die Lage einer Band wie S.I.N. in der momentanen Szene.
Ihr habt euch sicherlich gut überlegt zu musicbuymail zu wechseln,
oder?
Die Szene ist sehr undurchsichtig im Moment. Zum einen ist es ne tolle
Sache, dass viele Bands ihre Alben veröffentlichen können, zum anderen
liegt aber auch genau da die Wurzel allen Übels. Wenn ich im Monat
genug Geld habe um mir zwei CDs zu kaufen, dann kann ich mir doch nicht
plötzlich mehr kaufen, weil statt 5 nun 30 im Monat erscheinen, die mich
interessieren.
Die Labels veröffentlichen heute einfach zu viel Material. Das Geld,
das vor 20 Jahren mit zwei Bands verdient wurde, das muss heute eben mit
30 Bands verdient werden. Für die Labels ändert sich nicht viel, aber
die Bands leiden darunter, die Werbung wird schwächer und man hofft in
der Release-Flut einfach drei oder vier Alben dabeizuhaben, die den
Gewinn bringen, der Rest muss nur kostendeckend raus. In meinen Augen
wird auch zu wenig in den Nachwuchs investiert. Man lässt niemandem
mehr großartig Zeit sich über 2-3 Alben zu entwickeln und eine Fan-Base
aufzubauen. Wer beim ersten Mal nicht genug bringt, der bekommt keine
zweite Chance. Viele Labels verfolgen auch sonst merkwürdige
Strategien. Statt mal wirklich auf neue, frische Bands zu setzen, wird
halt doch lieber das zwanzigste All-Star-Projekt gesigned, oder es
kommt die fünfzehnte "Compilation of unreleased Tracks".
Musicbuymail und Artistservice verfolgt da einen anderen Ansatz. Keine
Abtretung der Rechte, keine undurchsichtigen Verträge, eine offene
Atmosphäre. Hier wurde auf die oben genannten Umstände reagiert, und
ein neues Konzept umgesetzt. Wir sind sehr überzeugt hiervon und
sicher, dass es für uns die richtige Entscheidung war hier mit MBM
zusammenzuarbeiten.
Dein Schlusswort an die Fans:
Kauft die Scheibe, die ist toll, haha... Nein im Ernst wir freuen uns
über jeden den wir mit unsere Musik beglücken können, und zögert auch
nicht über unsere Seiten www.sin-band.com, oder
www.MySpace.com/somewhereintonowhere mit uns in Kontakt zu treten.
Und dir vielen Dank für das entspannte Interview.
Das Kompliment gebe ich natürlich gerne zurück, denn ich freue mich
immer sehr, wenn Musiker auch etwas zu sagen haben und eine
gesellschaftliche Meinung haben, die sie vertreten können. Ich kann
Alex in ganz vielen Punkten sehr ausdrücklich zustimmen und hoffe, dass
die Anregungen endlich bei den Plattenfirmen ankommen. So macht man auf
Dauer die musikalische Szene kaputt und frustiert Bands und Fans. Ich
hoffe, S.I.N. mit der Umsetzung dieses Albums auf der Bühne bestaunen
zu können und würde für diese Geschichte auch eine Zukunft als Musical
sehen. Gerade VANDEN PLAS machen es ja momentan vor, wie großartig man
eine Heavy Scheibe im Theater umsetzen kann.
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