Das niederländische Quintett der X Raiders hat traumatische Erlebnisse hinter sich, die es mit „Weltschmerz ´89“ verarbeiten möchte. Konkret geht es um den eigenen 30. Geburtstag, schließlich ist die komplette Kapelle Ende der 80er auf diese kalte und bedrohliche Welt geboren worden. Statt mit Emo oder Shoegaze versucht man die Selbsttherapie aber mit Turbo Rock musiaklisch zu untermalen. Könnte ein dezenter Hinweis darauf sein, dass man Richtung Norwegen blinzelt, von wo aus eine durchgeknallte Band die Rockwelt eroberte, als die X Raiders noch allesamt die Grundschule besuchten.
Auf der Dungaree High hätte man aber gegebenenfalls eifriger aufpassen sollen. Mit den erwähnten Vorbildern kann man zumindest rifftechnisch nicht mithalten. Die Songs bewegen sich eher in pop-punkigen Gefilden, als in den majestätischen Sphären, die den Alpha Denim Recrutes dereinst gezeigt wurden. Diese Größe braucht es auch, wenn ein durchgeknalltes Image nicht gefährlich nah an der Albernheit vorbeischrammen soll. Die Denim Demons konnten es sich damals schlicht erlauben mit sämtlichen Tabus zu brechen, weil es weder aufgesetzt wirkte, noch wie ein Ablenkungsmanöver. Da müssen die X Raiders noch nachlegen. Was von „Weltschmerz ´89“ bleibt sind aber dennoch genug gute Momente, um die Platte nicht in die Tonne treten zu müssen. Das abschließende „Danger Zone“ ist sogar ein verdammt cooler Rocker geworden und kann wie „Ice Cream Truck“ mit den großen Vorbildern mithalten. „Fleshwolf“ und „Wasted“ atmen darüber hinaus den Charme früher Beatssteaks. Abwegigen Humor bieten X Raiders dann auch noch mit „Oedipus“.