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19. November 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

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KAISERS BART
Prog in Deutsch? Funktioniert!
Peter Hollecker
www.kaisersbart.de


Ich gebe zu, dass ich mich erst mal intensiv in das Konzeptalbum "Meister5tck" von der neuen deutschen Band mit dem seltsamen Namen Kaisers Bart beschftigen musste. Schlielich ist Prog Metal mit deutschen Texten fr die meisten nicht nur ungewhnlich, sondern sogar vllig neu. Doch je fter ich die Platte hrte, desto mehr faszinierten mich Geschichte und Musik, die eine Einheit bilden. Und so durfte ich mich an zwei verschiedenen Terminen zuerst mit dem Erfinder der Geschichte, Bassist Minz Meyer und etwas spter mit Texter und Snger Mischa Mang ber interessante Dinge unterhalten. Letzterer lud mich sogar zusammen mit meiner Frau zu einer Auffhrung des Musicals "WAHNSINN" nach Duisburg ein, um nach der Show in einem netten Lokal das anberaumte Interview zu fhren. Denn hier singt Mischa eine der Hauptrollen und erzhlte uns, dass Musicals und Metal sich zwar grundlegend unterscheiden, er jedoch keinerlei Probleme mit etwaigen Gewissenskonflikten hat. Aber jetzt zuerst das Interview mit Minz und anschlieend ist der Mischa an der Reihe.

Hallo Minz, erlutere doch zu Beginn einmal kurz den etwas seltsamen, aber zugegebenermaen einprgsamen Namen Kaisers Bart!

Kaisers Bart ist abgeleitet von dem Sprichwort .."um des Kaisers Bart streiten". Fr uns bedeutet das so viel wie, sich nicht in Haarspaltereien zu verlieren, Kleinigkeiten nicht ber zu bewerten und dadurch das eigentlich Wichtige aus dem Blick zu verlieren, aber auch sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Hinzu kommt, dass Kaisers Bart Genregrenzgnger sind und ein Eingruppieren in eine bestimmte Genreschublade schnell zu einem Streit um den selbigen fhren kann.

Hat diese interessante, jedoch auch erschtternde Geschichte auf eurer Platte einen realen Hintergrund?

Also in der Ausprgung ist die Geschichte rein fiktiv. Das Krankheitsbild der Dissoziativen Persnlichkeitsstrung oder Multiplen Persnlichkeit wird aber schon lnger beschrieben, obwohl auch die Existenz der Strung unter Fachleuten kontrovers diskutiert wird. Auf jeden Fall waren sowohl Steffen als auch ich von dem Thema fasziniert, in meinem Fall war es der auf Fakten basierende Roman "Die Leben des Billy Milligan" in dem es um einen Menschen mit an die 20 verschiedenen Persnlichkeit Abspaltungen geht. Das Thema wird auch immer wieder in Hollywood behandelt, beispielsweise in Filmen wie "Identity", "Dorothy Mills", "Ward 13" und recht aktuell "Split" oder auch mal humorig in Serien wie "Taras Welten". Es gab also verschiedene Einflsse die bei der Entwicklung der Geschichte eine Rolle spielten.

Wie kam es denn eigentlich zur Idee, Prog Metal mit deutschen Texten zu versehen? Und habt ihr keine Angst, die Hrer mit dem ernsten Thema und krassen Worten zu berfordern?

Wir waren uns sehr schnell einig, dass wir es mit deutschen Texten versuchen wollten, gerade weil dies in dieser Stilrichtung als unmachbar galt und in der From so auch nach unserer Kenntnis noch nicht gibt. Genauso war uns klar, dass das polarisieren wrde, sind aber selbstbewusst genug zu sagen, die Musik ist es wert gehrt zu werden. Auch die Schwierigkeit ein solches Konzept in ansprechende deutsche Texte zu wandeln wurde unserer Ansicht nach von Mischa bravours gemeistert. Progressive Musik hat ja eh meistens mit dem Vorwurf zu kmpfen verkopft zu wirken, da bei uns aber immer die Melodie im Vordergrund steht haben wir hier keine Bedenken.

Mischa ist Musical-Snger und ich bin der Meinung, dass man sich "Meister5tck" sehr gut auch als Umsetzung auf der Bhne vorstellen knnte. Gibt es vielleicht Plne hierzu? Vanden Plas machen das auch ab und zu im Pfalztheater mit der "Blutoper", wenn ich richtig informiert bin.

In der Tat wrden sowohl die Geschichte als auch die Musik eine derartige Umsetzung hergeben. Die Idee die unterschiedlichen Charaktere, die ja auch alle ein eigenes musikalisches Leitmotiv haben, von beispielsweise unterschiedlichen Sngern singen zu lassen kam uns schon. Also wre es schon mglich, dass eine Bhnenumsetzung irgendwann das Licht der Welt erblickt, aber konkretes gibt es hier noch nicht zu berichten.

Wie habt ihr euch eigentlich als Band zusammengefunden? Wenn ich ehrlich bin, kannte ich deinen Namen vorher noch nicht, wie also ist dein musikalischer Hintergrund?

Ehrlich gesagt eher unspektakulr, ber lokale Bandprojekte ging es bei mir persnlich seither noch nie hinaus. Auch Stilrichtungen habe ich schon ganz viele bedient, aber die wahre Leidenschaft war immer schon Metal. Vielleicht deshalb auch der Wunsch mal etwas zu erschaffen, was man als eher auergewhnlich bezeichnen kann. Mit Steffen mache ich schon seit 13 Jahren Musik in wechselnden Besetzungen und Stilrichtungen, bis bei uns der Wunsch aufkam, mal wieder richtig Metal zu machen! Nach und nach wurde Verstrkung gefunden, erst mit Uli, den ich auch schon lange kenne, schlielich konnte ich Mischa gewinnen, der durch seine Zeit bei Dreamscape mit Danilo bekannt war und auerdem mit Ivanhoe Prog Metal gemacht hat.

Die Platte ist schon im Februar erschienen, wie waren die ersten Reaktionen?

Also die ersten Reviews die jetzt so nach und nach hereinkommen sind durchaus ermutigend, viele sind sich sogar einig, dass nach kurzer Eingewhnung das Thema mit der deutschen Sprache eigentlich gar kein Thema mehr ist. Der Tenor ist jedenfalls erfreulich positiv.

Und wie war die Entwicklung von Kaisers Bart bis heute? Projekt oder Band?

Das Ganze hat schon ein paar Jahre gedauert, da ja bis auf Mischa keiner Musik hauptberuflich betreibt und wir bei der Entwicklung der Songs und Texte auch recht detailversessen waren. Nun, jetzt da wir uns als Band gefunden haben und auch als solche sehen, nein, ber den Status als Projekt sind wir drber weg, unsere Plne gehen hier schon noch etwas weiter. Aktuell spielen wir sogar erste neue Songideen durch. Inwiefern diese wieder in ein bergeordnetes Konzept eingebettet sind oder eben nicht ist momentan aber noch nicht raus.

Vielen Dank fr diese wirklich interessanten Details ber eure Band! Auch ein Blick auf die Website ist angeraten, denn hier sind u.a. Liner-Notes, Comic-Strips und die Quintessenz der Geschichte zu lesen.

Nun kommen wir zum Snger von Kaisers Bart, dem oben schon angesprochenen Mischa Mang. Auf dem Weg vom Theater in Duisburg zu einem Brauhaus, wo wir uns bei einem leckeren Bier unterhalten, erklrt er mir, warum er sehr gerne bei einem "Schlager-Musical" mitmacht:

Als ich mich zur Vorbereitung etwas nher mit der Musik und vor allem mit den Texten von Wolfgang Petry beschftigte, fiel mir auf dass vieles sehr tiefsinnig und lebensnah ist. Allein die Textzeile von "Brandneu", einem seiner letzten Songs, ist dermaen positiv und nachahmenswert, dass es eine Freude ist diese Weisheiten weiterzugeben. Auerdem war die Mucke ja kein echter Schlager, sondern durchaus Gitarren-lastig, fetzig und brachte einfach gute Laune. Und viele der Balladen mit wirklich guten Texten wurden nicht so bekannt, wie sie das verdient gehabt htten.

Meine Frau und ich konnten uns vor der Show nicht wirklich genaueres vorstellen, doch waren absolut begeistert. Ein Musical, bei dem alle Gefhlswelten durchlebt werden und das Publikum von Anfang an begeistert mitgeht. Doch kommen wir lieber zu Kaisers Bart und meiner ersten Frage, wie du berhaupt zur Musik bzw. Singerei kamst.

Als ganz junger Bursche habe ich schon auf Telefonbchern herum getrommelt und habe mich selbst schon als Schlagzeuger gesehen. So vier, fnf Jahre war ich auch Drummer in verschiedenen Bands. Jedoch hatte ich einen besten Freund, der auch Schlagzeuger, jedoch um einige Ecken besser war als ich. Ich erinnere mich noch an einige Autofahrten, bei dem er das Armaturenbrett zermarterte und ich als groer AC/DC-Fan deren Songs gesungen habe. Und er meinte nur, dass ich doch lieber singen sollte und so tauschten wir einfach, ich gab ihm mein sauteures Tama Swingstar Schlagzeug mit coolen schwarzen Fellen und ich bernahm seine Gesangsanlage! In einer Band zu spielen war zwar von auen betrachtet damals keine groe, aber fr mich als Lehrling dann doch eine sehr groe Sache! Ich fhlte mich anfangs immer noch als singender Schlagzeuger, weil ich damals gar nicht das Bedrfnis hatte ein groer Snger zu werden, aber irgendwie kam ich aus der Nummer nicht mehr raus. Es wurde immer mehr mit der Singerei, immer mehr neue Bands kamen dazu und so wurde es auch fr mich persnlich immer wichtiger. Und ich war wirklich sehr stolz bei Bands zu spielen, die einen lateinischen Namen hatten, wie z.B. Tritunus, eine sehr schne Zeit in den Achtzigern, die mich sogar zu Funk Metal fhrte, bevor es mit Prog Metal und spter mit Ivanhoe weiterging.

Und wie kam es zum Musical-Fach, in dem du ja schon seit Jahren ein echter Star bist?

Das ist eine lange Geschichte. Mein Vater war Bildhauer und studierte auf der Hochschule fr Bildende Knste in Berlin, in meinen Augen damals eine Elite-Schule. Ich selbst hatte kein Abitur und nur die Ausbildung als Mechaniker gemacht, durfte jedoch aufgrund dieser abgeschlossenen Berufsausbildung die Aufnahmeprfung fr Talente auf dieser Hochschule absolvieren. Das habe ich geschafft, von 300 Bewerbern wurden 10 angenommen, ich beim Bereich Gesang und so durfte ich eine groartige Ausbildung genieen. Dort war Metal natrlich strikt verboten und leider kam der Klavier-Unterricht auch viel zu kurz, dafr kam aber die Verbindung zum Musical. Ich liebe einfach die Musik, so mchte ich es einfach auf den Punkt bringen. Die Arrangements bei Musicals gibt mir die finanzielle Sicherheit, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, Metal ist Spa und dann gibt es ja noch meine Solo-Projekte, auf denen ich mich verwirklichen kann, ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu mssen.

Gutes Thema, ich las im Internet, dass du im Zusammenhang mit Kaisers Bart geuert hat, dass du das Thema Musicals nie los wirst. Wie ist das zu verstehen?

Das Verrckte ist, dass die Verbindung Musical zu Metal generell nicht vorhanden ist. Es gibt lediglich Gemeinsamkeiten von der Theatralik in den deutschen Texten, musikalisch jedoch gibt es keine Verbindungen. Klar, wenn du eine fortlaufende Geschichte bei deiner Platte machst, liegt grundstzlich diese Verbindung nahe, das sehe ich auch ein. Und sicherlich knnte man die Sache auch als Rock- oder Metal Oper inszenieren wie etwa bei Vanden Plas, nur wre das in unserem Fall viel zu aufwendig. Die Journalisten legen meiner Meinung aber nach viel zu viel hinein, sehen nur das persnliche, weit du? Nur weil ich auch in Musicals singe, nimmt man das zum Anlass diese Querverweise herzustellen. Es gibt da z.B. das Review zur Platte von Kaisers Bart in einem groen Hard Rock Print Magazin (Rock Hard-Anm. des Verf.), in dem wenig zur Musik selbst, dafr umso mehr ber mich als Musical Snger geschrieben wird. Das wird der Sache einfach nicht gerecht und pfel mit Birnen verglichen, was ich etwas schade finde. Das war auch schon bei Ivanhoe so der Fall, die Klischees sind scheinbar zu fest in den Kpfen. Ohne Schei, aufgrund meiner Ausbildung knnte ich auch klassische Sachen singen, auch Oper oder Operette. Aber nein, in Musicals bin ich der Rock-Tenor und beim Metal bin ich der Musical Snger, das nervt mich ein bisschen, kann es aber letztendlich nicht ndern. Das wollte ich nur mit meiner uerung bei Facebook mal deutlich machen.

Okay, ich hoffe dass das an den richtigen Stellen angekommen ist. Die Geschichte von "Meister5tck" wurde ja von eurem Bassisten Minz Meyer geschrieben, die Texte stammen jedoch von dir. Was hat es damit auf sich?

Oh Gott, schei Thema, (lacht) Okay, 2013 habe ich bei und mit Kaisers Bart unterschrieben und mich auf dieses Abenteuer eingelassen. Minz hat mir damals so in etwa erzhlt was er sich vorstellt und ich habe mich frisch ans Werk gemacht und Texte geschrieben. Aber dann kam er an und erzhlte mir, was er wirklich wollte, wie das genaue Konzept aussah und was er sich genau vorstellte. Ja und dann sa ich nchtelang und grbelte, schrieb und manchmal musste ich 10 mal wieder zurckrudern, um den Salat auf dem Papier wieder zu ordnen. Hey, ich rede ber Texte und Gesangslinien, die beschreiben, wie es ist eine Leiche aufzuschneiden und so ein krankes Zeug! Hallo, geht es noch? Um es kurz zu machen: diese Platte war fr mich harte Arbeit und wenn ich es vorher gewusst htte, ich wei nicht ob ich es noch einmal machen wrde! Aber das Ergebnis hat uns letztendlich besttigt und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich echt stolz auf diese Platte bin. Und das in allen Belangen, musikalisch und textlich!

Du bist ja sehr viel unterwegs mit deinem Hauptberuf, spricht das gegen eine weitere Zusammenarbeit als Snger bei Kaisers Bart?

Nein, es gibt sogar schon Plne fr einen Nachfolger. Nur wenn der Minz mit einer hnlichen Aufgabe fr die Texte an mich herantritt, wei ich nicht ob ich das gebacken kriege. Vielleicht wre was nicht so kompliziertes Zeug mal eine Idee, haha! Und die thematischen Erwartungen der Hrer sind bestimmt auch nicht zu verachten. Gerade eben bekommen wir sogar einen mglichen Auftritt im Sommer beim Rock Of Ages Festival rein, also Kaisers Bart live! Das wr der Wahnsinn!

Wir wnschen euch jedenfalls viel Erfolg fr die Zukunft und ich mchte mich nochmal bei dir ganz herzlich fr einen rundum gelungenen Abend bedanken!

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