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19. September 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

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AXEL RUDI PELL
Kontinuität!
Peter Hollecker
www.axel-rudi-pell.com


Wo andere Künstler, die so lange im Musikgeschäft tätig sind schon mal die ein oder andere Schwächeperiode an den Tag legen, ist bei ARP von Müdigkeits-oder Abnutzungserscheinungen nichts zu erkennen. Kontinuität und Vertrauen in die eigenen sowie die Fähigkeiten der anderen Mitglieder sind Schlagwörter, die die Einstellung von Axel gegenüber seiner Leidenschaft Musik wohl gut beschreiben. Das spiegelt sich auch bei seiner Plattenfirma SPV wider, der er seit Jahr und Tag die Treue hält. Im März erschien mit "Knights Call" bereits das siebzehnte Studioalbum beim Hannoveraner Label und ich unterhielt mich mit dem Meister natürlich nicht nur über diese neue Platte, sondern auch über andere interessante Themen.

Im Vorfeld von "Knights Call" war zu lesen, dass ihr an einigen Schräubchen gedreht habt. Welche genau waren es?

An fast allen, lacht Axel laut ins Telefon. "Spaß beiseite, ich finde, dass sich "Knights Call" von den beiden Vorgänger-Alben grundlegend unterscheidet. Zum einen haben wir viel mehr Wert auf die Drums gelegt, die wir weiter nach vorne gemischt haben und so viel mehr knallen. Auch sind die neuen Songs viel straighter angelegt, kommen direkter auf den Punkt und sind nicht ganz so verspielt wie noch auf "Game Of Sins.

Dann habt ihr einen Song namens "Long Live Rock", bei dem du von wem im Chor unterstützt wurdest?

Ja genau, das waren ein paar Kumpels von mir, unter anderen zum Beispiel Thomas "Harry" Weinkauf, mit dem ich schon lange befreundet bin und der eigentlich in der Ostkurve im Bochumer Stadion steht (lacht)! Aber dazu möchte ich zurzeit nichts mehr sagen, es läuft gerade nicht so gut für meinen Heimatverein den VFL Bochum.

Ich dachte auch dass du aus Wattenscheid kommst?

Ich weiß, ein leidiges Thema, überall steht ich sei ein Wattenscheider Gitarrist. Aber das stimmt nicht, ich hab da nur mal für 18,5 Jahre gewohnt, aber ich bin Bochumer.

Gut, wär das auch geklärt. Kommen wir zur Musik zurück. Du schreibst die Songs ja alleine. Können dich die anderen Bandmitglieder, die ja teilweise in den USA leben, trotzdem unterstützen?

Ja schon, gerade Bobby hat mir nach der Game Of Sins-Tour gesagt, dass wir am Drumsound etwas ändern sollten, weil wir keinen Shuffle hätten. Da habe ich drüber nachgedacht und "Wildest Dreams" geschrieben, einen reinen Shuffle und Bobby hat sich tierisch gefreut. Aber auch Johnny gibt mir beim Einsingen immer wertvolle Tips und ändert ein paar Gesangsmelodien ab, aber nie ohne vorher mit mir darüber zu sprechen. Jeder hat immer sein Mitsprachrecht, so muss das aber auch sein in einer funktionierenden Band.

Du sagtest kürzlich dass man das Komponieren entweder kann oder auch nicht. Klingt ganz schön selbstbewusst, ist das Schreiben von Songs ein angeborenes Talent oder doch dann auch Arbeit für Dich?

Beides würde ich sagen. Das sollte auch nicht überheblich klingen, aber es gibt sehr viele Gitarristen, die technisch super spielen können, aber keine Songs schreiben können! Das liegt tatsächlich daran, dass man Komponieren kann oder nicht, man kann es auch nicht erlernen. Sicherlich kann man lernen, wie ein Songaufbau funktioniert oder welche Tonarten zusammen passen, ob man in Moll oder Dur schreibt und solche Sachen. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass man gute Ideen hat, die andere dann auch hören wollen und denen es noch gefällt! Ich komponiere meist in Moll und habe auch meine eigenen Chord-Folgen, mit denen ich arbeite. Was dann sicherlich auch Arbeit ist, aber keine harte. Ich ändere diese Arbeitsweise nicht, genauso wie ich meinen Musikstil nie ändern werde. Und solange ich noch kann und die Fans mich hören wollen, werde ich diese Musik machen.

Auf "Knights Call" ist mit "Truth And Lies" mal wieder ein Instrumental mit dabei. Schreibst du alle Songs zuerst als Instrumental oder hast du beim Komponieren schon Gesang im Kopf?

Ich schreibe grundsätzlich immer die Musik zuerst, habe aber bei denen mit Vocals immer schon eine Gesangsmelodie im Kopf. Diesmal war mir schon beim Komponieren der Riffs klar, dass die Nummer ein Instrumental wird.

Viele Songwriter lassen ja gerne den Sänger die Texte schreiben, weil die ja auch das Zeug vortragen. Bei euch ist das anders, warum schreibst du auch die Texte?

Weil Johnny darauf keine Lust hat, haha! Gut, ich auch nicht, aber einer muss es ja tun. Nein, Scherz, Johnny ist der Meinung, dass er als Amerikaner keine näheren Kenntnisse über solche Themen wie Burgen, Ritter und Dämonen hat. Er würde dann viel eher über California Beachgirls schreiben, was dann aber einfach nicht zu unserer Musik passen würde, die Leute würden sich kaputt lachen. Also mach ich das lieber selber.

ARP ist von Anfang an bei der SPV und viele Besetzungswechsel gab es auch nicht, wenn man die ganze Bandgeschichte betrachtet. Was ist das Geheimnis dieser Konstanz?

Stimmt, und da bin ich auch stolz drauf! Die Band ARP funktioniert wie in einer guten Ehe. Wenn wir z.B. eine reine deutsche Band wären, die alle in einer Stadt wohnen und sich dreimal die Woche im Proberaum treffen würden, dann gäbe es garantiert nach zwei, drei Wochen Mord und Totschlag. Immer wenn man sich zu oft sieht, gerade in der Musik, wird es halt irgendwann zum Zwang. Und das umgehen wir halt durch unsere Struktur. Ich schreibe alle Songs alleine und bereite vieles vor und die anderen tun ihre Sache im Studio dazu, so dass es am Ende auf der Platte sowie später bei den Konzerten auch richtig gut wird. Das Geheimnis von ARP ist, dass wir uns einfach nicht zu oft sehen. Wenn wir uns dann sehen, freuen wir uns auch richtig aufeinander und haben tierisch Spaß! Vor allen Dingen haben wir uns dann viel zu erzählen! Selbst Volker, der nur ein paar Kilometer von mir weg wohnt, sehe ich nur alle paar Wochen beim Griechen. Und da reden wir über alles, nur nicht über Musik! Besonders freuen wir uns auf die Tour, die ja bald schon wieder losgeht!

Wir sehen natürlich immer die Charterfolge und Verkaufszahlen hier in Deutschland. Hast du auch ein Auge aufs Ausland?

Selbstverständlich! Wir spielen ja auch im europäischen Ausland, Holland, Norwegen und natürlich in Skandinavien. Gerade in Schweden sind wir sehr erfolgreich. Mit der DVD unserer 25 Jahre Show in Balingen waren wir dort drei Wochen auf dem ersten Platz in den Charts! Nur in Frankreich kriegen wir kein Bein auf die Erde, die Gründe hierfür kenne ich allerdings nicht, wäre mal interessant zu erfahren, warum das so ist. Klar verkaufen wir in Deutschland am meisten, aber auch in der Schweiz oder Spanien läuft es immer besser in letzter Zeit.

Ebenfalls sehr erfolgreich kommen die sogenannten "Fanboxes", seit einiger Zeit bei dir fest im Programm, bei den Fans an. Was dürfen die Sammler dieses Mal erwarten?

Stimmt, da lege ich auch besonderen Wert drauf! Bei "Game Of Sins" kam die Idee mit der Miniaturgitarre von mir. Aber nicht immer, diesmal hatte die SPV die Idee, aber ich werde jedes Mal nach meiner Meinung gefragt. Wenn mir etwas nicht gefällt, würde man es auch nicht veröffentlichen. Jetzt gibt es einen schönen Zinnbecher, passend zum Mittelalter-Thema, dem die ARP-Signatur im Rand eingraviert ist. Richtig edles Teil!

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